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Es ist leichter, aus einer eher prekären Situation kommend sich an Luxus anzupassen als umgekehrt. Nach dem Studium das erste „richtige“ Gehalt zu verjubeln in den großen Geldkreislauf wieder einzubringen (denn Geld muss fließen, jawohl!) – das fällt leicht. Hat man aber erstmal einen gewissen Lebensstandard erreicht, mag man einfach nicht mehr zurück.

Ich hatte sehr lange überlegt, ob ich irgendwie eine Teilzeitbeschäftigung hinbekomme (was auch für meine Gesundheit hilfreich gewesen wäre). Aber ich konnte mich nicht dazu durchringen, einen Teil meines Gehalts aufgegeben. (Naja, nun habe ich es ganz aufgegeben. War irgendwie leichter. 🙂 ) Leider finde ich die Untersuchung nicht mehr, die angab, dass die Deutschen sich am meisten davor scheuen, Teilzeit zu arbeiten. Der Grund war nicht nur das geringere Gehalt, sondern vor allem die Abzüge bei der Rente. Eigentlich absurd, wenn man bedenkt, dass die meisten sowie nicht viel von der staatlichen Rentenversicherung erwarten…

Jedenfalls habe ich mir vor meiner Kündigung sehr viele Gedanken gemacht, wie ich total chillig und simplify-my-life-mäßig meinen Lebensstandard auf das Nötigste herunterfahren kann. Downshifting, Leute.

Man braucht ja eigentlich nicht viel, ne. Gleichzeitig habe ich noch ein paar größere Anschaffungen getätigt (Flachbildfernseher und so), denn man weiß ja nie. 😉 Wochenlang habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich mein Auto verkaufe. Ob ich ein Auto brauche. Und wenn ja, welches. Am Ende habe ich meins dann behalten, denn mein Leben ist auf ein Auto eingerichtet. Es ist quasi mein zweites Zuhause, ich packe morgens alles rein und klappere dann meine Stationen (Post, Reinigung, Eltern usw.) ab. Da nützt mir dann auch kein Carsharing, was ja gerade in Berlin eine prima Alternative wäre. Ein kleineres Auto hätte mir auch nichts gebracht, da ich demnächst durch meinen Verlag viel zu transportieren habe. Außerdem ist es abbezahlt. Hm, dumm gelaufen…

Dann eben eine günstigere Wohnung! Ähem, dafür ist in Berlin gerade der absolut falsche Zeitpunkt. Ich habe immer wieder mal ziemlich intensiv gesucht und konnte quasi zuschauen, wie die Mieten von Monat zu Monat anzogen. Günstiger würde entweder heißen j.w.d. (janz weit draußen) – und noch bin ich ein Citykid und hier nicht so schnell wegzukriegen – oder aber 10 Quadratmeter weniger. Irgendwie doof, wenn man auch noch von zu Hause arbeiten will… Wieder nix mit Downshiften.

Aber diese Restaurantbesuche. Das MUSS aufhören. OK, hier konnte ich ein bisschen was umsetzen. Aber wenn man nicht wirklich kochen kann, muss man ab und zu mal draußen essen.

Klamotten! H&M statt Hugo. Ja, das geht. Allerdings hält Hugo bei mir fünf Jahre durch und H&M fünf Waschmaschinengänge.

Hobbys. Hä? Ich hab keine. Golfen hab ich mal angefangen, war mir dann aber zu zeitaufwendig. (Es gibt schon einen Grund, warum das eher ein Rentnersport ist…) Das Fitnesstudio! Moment, das mache ich nicht mal freiwillig, sondern wegen meiner Gesundheit. Außerdem hält die 25er-Karte bei mir drei Jahre. Nun gut. Der Italienischkurs, der kann weg. Hm, aber war nicht der Sinn des Downshiftings, das ich gerade für solche Dinge mehr Zeit habe??

Das armselige Ergebnis meiner Downshifting-Idee war dann, dass ich meine Fixkosten durchgegangen bin und mein Brand-Eins-Abo gekündigt habe. Ausgerechnet die Brand Eins, die mir über Jahre immer wieder fantastische Anregungen gegeben hat. Die mich quasi durch Dick und Dünn begleitet und meine Sicht auf die (Wirtschafts-)Welt maßgeblich geprägt hat. Wo fast jeder Titel immer genau zu meiner aktuellen Lebenssituation gepasst hat. Und dann schreiben die mir auch noch so eine total nette E-Mail und überweisen mir sofort den Restbetrag meines Jahresabos. Oh Mann. Wo ist der Antwort-Button? „Hallo Herr H., Sie haben völlig Recht, das war eine blöde Idee. Bitte aktivieren Sie mein Brand-Eins-Abo wieder und senden Sie mir eine Rechnung zu.“

Ähm, also wenn jemand Tipps hat zum Downshifting??

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