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Eines Tages fiel mir auf, dass mich die Unternehmenskultur in meinem Ex-Unternehmen immer mehr an den Alltag in der DDR zu erinnern begann. Dann entdeckte ich einen Artikel in der Brand Eins über einen ukrainischen Wissenschaftler in Deutschland, der sich nach einigen Jahren in großen US-Unternehmen selbständig gemacht hatte. Und zwar „weil ihn die Zustände in westlichen Konzernen fatal an die in der Sowjetunion erinnerten.“

Hier sind 11 Dinge, die hierarchische Unternehmen mit der DDR gemein haben:

  1. Es gibt einen Großen Vorsitzenden. Er macht die Ansagen, und nur er. (Oder sehr selten auch sie.) Wer die Gnade seiner Nähe genießen darf, ist vor allem zum Abnicken da. Und natürlich für den Applaus. Abweichler werden aus dem inneren Kreis ausgestoßen.
  2. Ideen kommen immer von IHM. Auch wenn er gar keine Ahnung von der Materie hat. Die Kraft seiner Wassersuppe macht ihn unantastbar. Seine Vorschläge werden also von oben nach unten durchgesetzt – ob sie Sinn machen oder nicht.
  3. Potemkinsche Dörfer: In der DDR wurden die Häuser entlang der Protokollstrecke frisch angemalt, bevor der GröVaZ dort entlangfuhr – in Unternehmen werden Zahlen frisiert. Oder Abgaswerte. Der Beschiss hat Methode, denn nur mit Erfolgsmeldungen kann man ganz oben Punkte sammeln. (Oder den Aktienkurs nach oben treiben.)
  4. Fehler werden vertuscht. Logisch, denn auf jeden Fehler folgt eine gnadenlose Ermittlung, die einen Stasi-Offizier blass aussehen lässt. Ein Fehler kann übrigens schon selbständiges Denken und Handeln sein.
  5. Die Bestrafung folgt auf dem Fuße. Die mildeste Form ist der gründliche Anschiss, die nächsthöhere Strafe die Vorladung oder gar eine Verwarnung bzw. Abmahnung. Schlimmstenfalls drohen der Parteiausschluss bzw. die Kündigung.
  6. Verkrustete Strukturen: Zwar wird öfter mal umstrukturiert, aber das ist Kosmetik. Das System bleibt starr und träge. Was es richtig gut kann, ist Bürokratie. Denn „wer schreibt, der bleibt“.
  7. Jegliche Spontaneität und Lebendigkeit werden unterdrückt. Denn sie sind eine Gefahr für das System. Das Ergebnis sind genormte und gehemmte Typen, die aussehen wie ihre eigenen Großväter. Und auch so denken und handeln.
  8. Diese mangelnde Vielfalt (also das Gegenteil von Diversity) produziert immer mehr vom Gleichen. Das System ist nicht in der Lage, Neues hervorzubringen. Es herrscht eine geistige Enge. Jeder neue Impuls von außen wird als Bedrohung gesehen. Inspiration und Kreativität haben keine Chance.
  9. Brainwash: Mit den immer gleichen Floskeln und Schlagworten wird die Belegschaft (oder Einwohnerschaft) eingelullt. Es entwickelt sich eine eigene Sprache. Glaubenssätze wie „Woanders is‘ auch Scheiße“ setzen sich durch und verhindern die (Republik-)Flucht. Der permanente Informationsmangel führt zu einem regen Flurfunk. Die Untergebenen beherrschen die Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen.
  10. Tabus: Man darf nicht den Mund aufmachen und Schwachsinn Schwachsinn nennen. Es herrscht ein Denkverbot für Ideen, die das System ablehnt. Die freie Meinungsäußerung ist eingeschränkt.
  11. Geheimniskrämerei und Paranoia: Immer wieder wird nach dem Maulwurf gefahndet, der Betriebs- (oder Staats-)geheimnisse an die Presse oder den Wettbewerber/Klassenfeind gibt. Kameraüberwachung und Abhöraktionen sind keine Seltenheit. Für alles andere werden Spione eingesetzt. Inoffizielle Mitarbeiter halt.

Na, kommt Dir einiges bekannt vor? 😉

Bundesarchiv_Bild_183-57000-0139,_V._Parteitag_der_SED

Hat der Sozialismus doch gesiegt? Offenbar lebt er in westlichen Konzernen munter weiter. (Bundesarchiv Bild 183-57000-0139, V. Parteitag der SED 1958 / Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons)

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