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ABC Feedback

„Feedback ist Frühstück für Champions“, sagte der Kollege bedeutungsschwer und kraulte sich die… Nein, tat er nicht – aber viel hätte nicht gefehlt. Er war Äjtsch Ar und eine Hierarchiestufe unter mir, was er permanent zu überspielen versuchte. „Ja“, dachte ich, „Ihnen würde ich gern mal Ihr Feedback-Frühstück servieren. Und zwar heiß! Sie strunzdummes, aufgeblasenes, herzloses A….“ Das sagte ich nicht. Er hatte mich ja nicht um Feedback gebeten. Leider.

Aber es haute mich schon um, wie er da breitbeinig in meinem Büro saß und über die segensreiche Wirkung von Feedback schwadronierte, während zwischen seiner eigenen Selbstwahrnehmung (toller Hecht) und der Fremdwahrnehmung (ich erwähnte es bereits) ein Abgrund von den Ausmaßen des Grand Canyons lag. Und damit stand er nicht alleine…

Dabei war Feedback immer ein Riesenthema. Wie man es am besten verpackt und so. Am beliebtesten bei den Trainern war das sogenannte Shit-Sandwich: Erst was Positives, dann was Negatives, dann wieder was Positives. Äääääh… Hat das schon mal jemand ernsthaft gemacht? Wie bekloppt ist das denn. Man stelle sich das mal privat vor: „Schöne Bluse! Aber Deine rabenschwarzen Augenringe… Dafür sitzen Deine Haare heute super.“ Ja, was denn nun? Mich würde so etwas verwirren. Und ich glaube, es verwirrt auch andere Menschen. Meiner Erfahrung nach ist die Grundvoraussetzung für ehrliches (vor allem für kritisches) Feedback ein Vertrauensverhältnis zwischen den Gesprächspartnern. Dann kann man sich einfach in die Augen schauen und sagen: „Das war jetzt nicht so toll heute. Woran lag’s denn?“ Das ist authentisch und lässt sich dann auch ganz gut verdauen.

Aber hey, mit Feedback ist es wie mit Fortbildungen: Wer es am nötigsten hat, macht einen großen Bogen darum. Dabei ist die „Rückfütterung“ eine prima Sache. Zum einen gibt es ja immer auch Positives, wo man denkt: „Ach Mensch, toll, dass die anderen mich so sehen.“ Und selbst in Kritik, die mir auf den ersten Blick absurd oder völlig daneben schien, habe ich immer ein Körnchen Wahrheit entdecken können. Ja, je mehr Widerstand ich erst mal spürte gegen das Gesagte, desto mehr war meistens dran. 😉 Quasi ein Frühstück, an dem man etwas länger zu kauen hat. Guten Appetit!

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