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Auf einem Treffen für Ehrenamtler begegnete mir schwache Führung. Sie heulte mir quasi ins Gesicht. OK, sie heulte nicht wirklich, aber sie jammerte ziemlich viel herum. Ich ging aus dem Treffen raus und war irgendwie wütend. Dabei waren doch alle total nett gewesen. Es dauerte eine Weile, dann wurde mir klar: Da führt niemand richtig! Die Auswirkungen sind verheerend, wie man vor Ort sehen konnte.

Daher hier ein paar Tipps, woran Ihr schwache Führung erkennt:

  1. Sympathie
    Das allerwichtigste Merkmal: Schwache Führung ist total nett und sympathisch. Deshalb ist sie erst mal sehr schwer zu erkennen und kann ihre zerstörerische Natur gut verdecken. (Natürlich muss man kein Arschloch sein, um gut zu führen. Aber nur nett geht halt auch nicht.)
  2. Schicksalsergebenheit
    Hach ja, dies und das funktioniert nicht. Schuld sind aber immer die anderen und „wir können das nicht beeinflussen“. Schlüsselsatz: „Wir würden ja gerne…“ Man könnte es auch mangelnde Durchsetzungskraft oder fehlenden Kampfgeist nennen. Jedenfalls werden auf diese Weise wichtige Schritte ständig verschoben und es geht nur nervenaufreibend langsam voran.
  3. Verzettelung
    Dadurch, dass schwache Führung sich nicht durchsetzt und es jedem recht machen will, entsteht Chaos und es fehlt der Fokus. Niemand weiß, wo es eigentlich langgeht – am wenigsten natürlich die Führung. Jeder macht irgendwas, alles blockiert sich gegenseitig.
  4. Heimliche Führung
    Es entsteht ein Machtvakuum, das jederzeit von im besten Fall freundlichen, kompetenten Menschen – im schlechtesten von Arschlöchern, sich selbst überschätzenden Unfähigen oder gar Kriminellen gefüllt werden kann. Na, das sind ja schöne Aussichten!
  5. Harmonie
    Jegliche Kritik und auch Konflikte werden mit zuckersüßer „Wir sitzen doch alle in einem Boot, liebe Leute“-Harmonie überschüttet. So kommt man natürlich wieder nicht voran.
  6. Lernunfähigkeit
    Lösungsvorschläge und neue Ideen werden abgeblockt, was mit der Schicksalsergebenheit zu tun hat. „Das bringt doch nichts. Der Zug ist abgefahren.“
  7. Ineffektivität
    Es wird Euch jetzt nicht überraschen, dass schwache Führung völlig ineffektiv ist.

Als ich mich im Publikum umschaute, sah ich lauter supernette Menschen, die es gut meinen und sich engagieren wollen. Menschen, die bereit sind, all diese himmelschreienden Signale zu übersehen, denn „es geht ja um einen guten Zweck“. Menschen, die gerade (!) von dem Chaos vor Ort und Unvermögen der Führung angezogen werden: „Gerade hier muss man doch helfen!“ Menschen, die sich ausnutzen lassen von einem nimmersatten, fehlgeschalteten System. Ich sah mein altes Selbst.

Ihr ahnt es schon: Ich habe mich entschieden, mich in dieser Organisation nicht ehrenamtlich zu engagieren. Ich musste erst mal drüber schlafen, denn natürlich bin ich hochmotiviert, den Betroffenen (in diesem Fall Flüchtlingen) zu helfen. Aber nicht um jeden Preis. Ich habe keine Lust, meine Zeit und Energie in ein Fass ohne Boden, ein schwarzes Loch, reinzubuttern – ein lernresistentes System. Es tut mir sehr leid für die Flüchtlinge dort. Aber ich suche mir etwas, wo ich wirklich etwas bewegen kann.

Auch das habe ich in den letzten Jahren schmerzhaft lernen müssen und gebe Euch dies aus eigener Erfahrung weiter: Überlegt Euch gut, wo Ihr Eure Zeit und Energie investiert! Ein schwach geführtes System ist nur zu Unfrieden und Chaos fähig. Und das ist das Gegenteil von dem, was ich in meinem Leben haben möchte.

PS: Mir ist klar, dass die Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit riesig sind und sicher gibt es 1.000 Gründe, warum es dort so ist, wie es ist. Dennoch denke ich: Professionalität könnte helfen – sowohl fachlich als auch führungstechnisch.

PPS: Schleichwerbung: Mein Crowdfunding-Projekt braucht jeden Unterstützer! Wenn Du ein Kartenspiel über Macht und Hierarchien witzig finden könntest, schau mal hier: http://www.startnext.de/bueronymus. Danke.

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