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Begeisterung ist das Benzin des modernen Unternehmens. Wenn sonst nichts mehr da ist (die drei Haselnüsse des Managements, Geld, Zeit und Personal, sind ja notorisch knapp) – Begeisterung kostet doch nichts! Genau wie PR, weshalb man die Verantwortung für die Begeisterung gleich mal der Kommunikationsabteilung auferlegt.

Die Kommunikatoren* geben also ihr Bestes: Sie starten eine interne Kampagne. Und natürlich gibt es auch ein schönes Logo dazu:

Chakka Logo

Bei dieser Kampagne geht es darum, die aktuellen Kostenoptimierungsanstrengungen so zu verkaufen, dass die Mitarbeiter begeistert mitziehen. Kernbotschaft: Wäre doch gelacht, wenn man mit viel weniger Invest nicht viel mehr Gewinn rausholen könnte.

Und der Mitarbeiter so:

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Genau darum ging es übrigens auch bei den Vorgängeraktionen „Chakka 2015“, „Chakka 2014“ usw. You get the picture. Fürs nächste Jahr muss man sich vielleicht mal einen neuen Namen einfallen lassen. Und dann reicht es auch nicht mehr, von Jahr zu Jahr die Logofarbe zu ändern…

Drawing

Ich bekenne hier: Genau so habe ich es mal gemacht als Kommunikationsverantwortliche. Und ich habe mich gefragt: Funktioniert das überhaupt? Lassen sich die Leute heutzutage, in dieser auf- und abgeklärten Zeit, wo sich jeder innerhalb von 3 Minuten so ein schickes Logo selber basteln kann, mit solchen – Pardon an mich selber und meine Kollegen – billigen Mitteln erreichen? Insofern hatte mich eine Kollegin aus dem mittleren Management kalt erwischt, als sie mich auf einer Veranstaltung ansprach: „Weißt Du, damals, Deine erste Chakka-Kampagne, die hat uns als Team richtig zusammengeschweißt. Das hat uns total begeistert und voll motiviert…“ Und ich so: „Ach, echt???“ 😀

Ein Bekannter, der in einem internationalen Konzern arbeitet, erlebte dort eine Fusion, die von der Unternehmenskommunikation bilderbuchmäßig durchorchestriert war: schön mit Kampagnenlogo, Workshops, gemeinsamer Leitbildentwicklung usw. Ich glaub, es gab sogar einen Fusionssong. „Die Japaner fahren voll drauf ab. Die glauben das alles.“ Er selbst war skeptisch: „Ach komm, als intelligenter Mensch lass ich mich doch mit so einem Schmonz nicht mit ködern. Letztlich war es eine feindliche Übernahme und jeder weiß es. Die beiden Unternehmenskulturen sind super verschieden, allein schon weil die Stammhäuser aus unterschiedlichen Ländern kommen. Daran ändert auch ein netter Workshop oder eine schicke Präse nichts.“ Irgendwie scheint mir das die gesündere Reaktion zu sein – aber ich bin halt auch eine elende Zweiflerin. 😉

Tja, irgendwie alles nicht so einfach. Es hängt wohl von verschiedenen Faktoren ab, wie eine interne Kommunikationskampagne bei wem ankommt:

  • Alter
    Normalerweise gilt: Je älter die Mitarbeiter, desto weiser. Und abgeklärter. Wo die jungen Hühner aufgeregt flattern, rollt der alte Hase nur müde mit den Augen: Been there, seen it, done it.
  • Entfernung von der Zentrale des Wahnsinns
    Je weiter weg vom Headquarter, desto naiver. In der Niederlassung irgendwo hinter den blauen Bergen glaubt man noch daran, dass der Oberhäuptling einen Plan hat. Umgekehrt gilt: Je näher man dran ist an der Chefetage, desto eher weiß man, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird. Und ist generell skeptischer.
  • Frequenz der Veränderungen und Kampagnen
    Wenn jedes Jahr aufs Neue „Chakka“ gerufen wird (und leider ist der Dauer-Change die Realität in vielen Unternehmen), nutzt sich das ab. Aber auch eine einzige Kampagne, die über fünf Jahre läuft, lässt sich nur schwer am Köcheln halten.
  • Wahrheit und Authentizität
    Wird eine Kampagne nur dazu benutzt, unschöne Tatsachen nett zu verpacken, fühlen sich die Mitarbeiter verschaukelt – zurecht. Das lassen sie genau einmal mit sich machen.
  • Originalität
    „Ach, schon wieder eine Spar-/ Service-/ Qualitätskampagne.“ Das sind nun mal die großen Themen. Vielleicht findet man aber neue Ansätze, Bilder und Mechaniken, um die Mitarbeiter zu erreichen. Man könnte es ja verrückterweise auch mal mit Humor versuchen.
  • Konsequenz
    Mit Volldampf loslegen, dann langsam absterben und unter den Teppich gekehrt werden (*kleines Metapherfestival*) – das ist das Schicksal so mancher Kommunikationskampagne. Lieber alles eine Nummer kleiner planen und dafür bis zum Ende durchziehen.
  • Und wie so oft: Beteiligung
    Eine von oben aufgestülpte Kampagne wird naturgemäß auch so wahrgenommen. Lässt man die Mitarbeiter hingegen mitmachen (und nicht nur bei der Logofarbe 😛 ), kann es wirklich Spaß machen.

Schon blöd irgendwie: Begeisterung lässt sich nicht verordnen. „Begeister Dich gefälligst oder es knallt!“ Oder wie? Hilfreicher wäre sicher, Frust abzubauen und damit der Begeisterung den Weg zu bahnen. Man könnte die Mitarbeiter einfach mal fragen: „Was sind deine größten Frustauslöser? Was behindert dich in deiner Arbeit? Und was können wir dagegen tun?“
Die dazugehörige Kampagne wäre bestimmt ein Erfolg:

Logo Entlastung 2016

Jetzt muss ich selber lachen. 😀 Sowas macht natürlich keiner.

Vielleicht lockt man mit internen Kampagnen auch einfach keinen Hund mehr hinterm Ofen vor. Die Zeiten der Gleichschaltung sind doch endgültig vorbei, oder?

Vielleicht sollte der Dialog auf individueller Ebene laufen. Das wäre dann auch die ultimative Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter: „Du bist einzigartig und deshalb erspare ich es dir, mit der Gieskanne Allgemeinplätze über dich auszuschütten. Sondern ich frage dich als kompetenten Mitarbeiter…“ Ist natürlich anstrengender für alle Beteiligten. Aber wirksamer, behaupte ich mal.

Was meint Ihr denn so? Wie kann man Euch begeistern? (Und kommt bitte jetzt nicht mit „ein gutes Essen“, „mir ne Badewanne einlassen“. Im beruflichen Kontext natürlich. 😛 )

P.S.: Das Wort „begeistern“ kommt übrigens von „beleben, mit einem Geist versehen“. Wenn man Mitarbeiter begeistern will, unterstellt man ihnen quasi, schon tot zu sein. The Working Dead, sozusagen. 😉

 

*Wie immer sind beide Geschlechter gemeint.
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