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Erst mal sorry für den unflätigen Ausdruck. Aber ich bin ja für Deutlichkeit und das trifft es am besten. Jeder kennt das doch: Da gibt es jemanden in der Firma, der einfach ein Arschloch ist. Aber fachlich top. Und deshalb hat er* Narrenfreiheit – frei nach dem Motto: „Der ist erfolgreich, der darf das.“ Arrrgh! Also, meine Auffassung war immer: Solche Leute müssen weg. Das ist wie mit dem faulenden Apfel in der Obstschale – er steckt andere an und richtet am Ende das ganze Obst, äh – die Firma zugrunde.

Ist doch sonnenklar, oder?

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Bei der Bebilderung greife ich lieber auf den Apfel zurück. 🙂

So handhabt es jedenfalls Stefan Truthän, Inhaber des Ingenieurbüros hhpberlin, eines sehr stark selbstorganisierten Betriebs. In der brand eins beschreibt er, warum:

Wir können den Leuten nicht zumuten, menschlich schwierige Kollegen zu ertragen, nur weil sie fachlich gut sind. Wir haben uns aus solchen Gründen von fachlich sehr fähigen Leuten getrennt.

Wow! Ich war ganz aufgeregt, als ich das las. Endlich mal einer, der im Sinne der Mehrheit der Mitarbeiter handelt. Einer, der bewusst den Arschloch-Faktor niedrig hält.

Aber es gibt auch ein Gegenargument: Aus Unternehmenssicht und angesichts des Fachkräftemangels (wenn es ihn denn gibt) ist es ziemlich blöd, auf die besten Leute zu verzichten. Tja. In der Tat ein Dilemma. Eines, dem ich in meinem Ein-Frau-Betrieb bisher ganz gut aus dem Weg gehen konnte. 🙂 Aber in der Vergangenheit sind mir (gar nicht mal so viele) Arschlöcher im beruflichen Umfeld begegnet. Was macht man nun mit denen?

Zunächst gilt es herauszufinden: Ist das Arschloch wirklich ein Arschloch? Dann hat es in der Firma nichts zu suchen. Meine Mutter sagt immer: „Schönheit vergeht, Dummheit bleibt.“ Ich würde das für die Arbeitswelt gern abwandeln in:

Fachwissen vergeht, Scheißcharakter bleibt.

Vielleicht ist das vermeintliche Charakterschwein aber auch nur zutiefst verunsichert und schlägt aus diesem Grunde um sich. Vielleicht ist es auch am falschen Platz. Dann gilt das Pinguin-Prinzip von Ecki von Hirschhausen.


Man versetze denjenigen unverzüglich in sein Element, wo er seine Stärken am besten ausleben kann. Im Zweifel ist das die Inkasso-Abteilung. 🙂

Nachdem man also durch Beobachtung und ein ehrliches Gespräch etabliert hat, dass das Arschloch wahrhaftig ein solches ist, schaut man sich seine Top-Fähigkeiten an. Ist es wirklich so weit her damit? Meiner Erfahrung nach sind die meisten Arschlöcher Mittelmaß. Aber sie verbreiten Angst und Schrecken, was auf einige Kollegen respekteinflößend wirkt. Da also genau hinschauen.

Ist das Arschloch ein halbes Genie und unverzichtbar für die Firma (was ich wie gesagt grundsätzlich erstmal anzweifeln würde), bezieht es ein schönes Einzelbüro, wird nicht auf Kunden losgelassen – und bekommt nie, nie, nie Führungsverantwortung. (Ist doch logisch, meint Ihr? Hm, ich hab auch schon Pferde kotzen sehen…)

Gar nicht so selten werden Arschlöcher nämlich befördert, was damit zusammenhängen mag, dass eine gewisse soziopathische Veranlagung in vielen Führungspositionen das Leben leichter macht. Manchmal braucht man auch jemanden für die Drecksarbeit. Da passt das ganz gut mit der angsteinflößenden Aura. Aber hey, mal abgesehen von den armen Untergebenen – was für ein Signal setzt man damit als Unternehmen? Benimm Dich wie Rotz am Ärmel und du steigst auf?!

Letztlich geht es hier um die Frage, ob man als Chef oder Unternehmensinhaber eher beziehungs- oder produktionsorientiert ist. Und die ist wirklich nicht so einfach zu beantworten. Stellt es Euch mal umgekehrt vor: Jemand ist Euch total ans Herz gewachsen, ein toller Mensch, vielleicht schon ein Freund geworden – hat es aber fachlich so gar nicht drauf. Was nun? Einem Freund kündigen? Seine Arbeit mitmachen? Letztlich sollte es doch immer darum gehen, die Leistungsträger (die hoffentlich in der Mehrheit sind) zu schützen.

Aber dann wiederum: Leistung ist nicht alles; ein Mensch ist doch mehr als seine Leistung. Jeder von uns kann von jetzt auf gleich einen Unfall oder eine schwere Krankheit erleiden – und zack, ist es vorbei mit der Leistungsfähigkeit. Und dann sitzt uns jemand gegenüber, der sagt: „Sorry, fürs Ein-toller-Mensch-sein kann ich Dich hier nicht bezahlen.“ Ayayay!

Dabei beschreibt Gunter Dueck in seinem Buch „Schwarmdumm“ anschaulich, wie sehr ein toller Mensch die Produktivität steigern kann. Sie hieß Jennifer und stellte sich nach intensiven Untersuchungen als der entscheidende Faktor dar, der die Projektteams einer Firma erfolgreich sein ließ: einfach, weil sie da war, die Kollegen umsorgte, motivierte und quasi im Vorbeigehen neue Ideen einwarf.

Tja, was nun?

Grundsätzlich tendiere ich dazu, dem leistungsschwachen Freund etwas mehr Milde entgegenzubringen und das Arschloch mit Schwung aus der Firma zu kicken. Aber fragt mich noch mal, wenn ich wirklich in einer solchen Situation drinstecke.

*Wie immer sind beide Geschlechter gemeint.
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