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Hierarchie find ich doof. Dass ein Mensch über einem anderen stehen soll, macht keinen Sinn für mich. Ich habe immer lieber hierarchiefrei gearbeitet. Auch – oder vielleicht gerade – weil ich in ziemlich autoritären Strukturen aufgewachsen bin, in denen Gehorsam gefragt war. Und doch gibt es Momente, wo ich die Hierarchie zurück will. Und zwar, wenn es um Entscheidungen geht.

Eine Freundin brachte mich letztens darauf, dass es vielleicht ein Ost-West-Problem ist, weil es ihr auch so geht: Ich drehe innerlich durch bei langen Diskussionen. Ich sehe den Punkt nicht.

Vor allem nicht, wenn eine Person mit Ahnung da ist, die gerade ihren Standpunkt völlig logisch und nachvollziehbar dargelegt hat. Dann machen wir’s doch so. Aber nein!

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Es müssen auch erst mal alle gehört werden, die keine Ahnung haben. (Wegen des Gleichheits- und Nettigkeitsprinzips. Es besagt, dass alle Meinungen gleichwertig sind. Sind sie aber nicht. Ich kann gern meine Meinung zur Teilchenbeschleunigungstheorie abgeben, glaube aber nicht, dass das für irgendwen von Wert ist. Und dann ist da noch das Problem, dass jeder denkt, er hätte Recht – unabhängig von seiner Qualifikation. 😛 )

Es müssen weiterhin gehört werden: Die, die gerade erst zur Gruppe dazugestoßen sind. Diejenigen mit Redebedürfnis. Wie Thomas Mampel es so schön formulierte:

 

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Auf Kosten meiner Nerven, Freunde! Ich hab da sowas von keinen Bock drauf.

Bei mir kommt in jedem Projekt irgendwann ein gewisser Punkt, da würd ich ganz gern anfangen. Ich finde es weniger schlimm, einfach anzufangen und dann zu sehen, wo man landet. Man kann ja immer noch umschwenken. (Es sei denn, man baut ein Atomkraftwerk, aber das tue ich eher selten.)

Learning by doing, trial and error. Das sind meine Vorgehensweisen. Ich muss nicht alles bis zum Ende durchplanen. Und vor allem muss ich nicht stundenlang herumdiskutieren.

Das klingt jetzt so, als würde ich wie ein Blindfisch irgendwo hineinsteuern. 🙂 Das nicht, aber wenn die Eckdaten klar sind, kann man loslegen. Oder?

Warum einfach…

Meine Masterthesis war auch so ein Projekt, das mich zwischenzeitlich zur Verzweiflung trieb: ein Gemeinschaftsprojekt mit vier Kommilitonen aus verschiedenen Ländern. Wir trafen uns immer wieder an den tollsten Orten, um das Projekt voranzubringen.

Am schwierigsten war, den Aufbau der Masterarbeit und unsere Vorgehensweise festzulegen. Dafür ging die meiste Zeit drauf – weniger für die eigentliche Arbeit, also das Recherchieren, Denken und Schreiben.

Wenn das Selbstorganisation ist, bin ich raus, Freunde.

(Übrigens hatte ich relativ am Anfang vorgeschlagen, dass rotierend immer einer von uns Teamleader sein könnte – wurde einstimmig abgelehnt. Gleichheits- und Nettigkeitsprinzip. Vielleicht auch zu viel Verantwortung. :/ )

Nach dem Abschluss gaben wir einander Feedback (viel zu spät natürlich, um noch irgendwas zu ändern) und eines der Projektmitglieder meinte zu mir: „Ich fand’s schade, dass du am Ende so oft rausgegangen bist.“

Äh. Ja, sorry. Aber ich musste immer wieder auf mein Zimmer gehen, um STUMM ZU SCHREIEN! Und zwar wenn zwei Leute aus dem Team (es waren immer dieselben zwei 🙂 ) sich wieder festdiskutiert hatten über der Definition von whatever-the-fuck. (Ihr merkt, es macht mich immer noch leicht aggressiv. 🙂 )

Die beiden konnten sich da richtig in eine Art „circle of stupidity“ (so nannten sie es selber) verbeißen. Derweil lief unserem Projekt die Zeit davon. Offensichtlich war ich die einzige, die eine gewisse Dringlichkeit verspürte.

I want to get shit done. Die anderen wollen erstmal in Ruhe ausdiskutieren. Arrrrgh! Ich fühl mich dann immer wie ein Rennpferd, dass man – in der Startbox eingesperrt – einfach warten lässt. Stundenlang. Es ist eine Qual, Leute.

Efficiency rulez

Im Übrigen bin ich auch ein großer Fan von Gruppen-in-kleinere-Einheiten aufteilen: get even more shit done. In the same amount of time! It’s called Arbeitsteilung. Efficiency. Faule Menschen sind gern effizient.

Aber da gibt es dann die Verfechter von Wir machen lieber alles zusammen (denn ich möchte nicht, dass irgendwer eine Entscheidung fällt, von der ich nichts weiß und die ich dann vielleicht nicht gut finde).

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Ein anderes Beispiel: Für mein ehrenamtliches Projekt fand ich auf Facebook einige Stühle. Outdoor, stapelbar, kostenlos, alles, was wir vorher besprochen hatten. Ich machte die Stühle klar und organisierte die Abholung. Dann fiel mir ein, dass ich vielleicht noch mal bei den Projektmitgliedern nachfragen sollte. Und dann kam nichts mehr… Ich sagte die Abholung ab.

Später stellte sich heraus, dass die Gruppe 14 Tage braucht, um Entscheidungen abzustimmen. OK, meinte ich, dann kann ich Euch aber auch nichts mehr organisieren. „Ja, sorry, is leider so bei uns.“

Ich versteh es nicht. Ich sehe das Problem, ein paar Stühle wieder loszuwerden, als ziemlich gering an. (Vor allem in Berlin, wo alles, was auf der Straße steht, binnen Minuten weggetragen wird. 😀 ) Und 14 Tage Abstimmung – seriously?!

Irgendwie bin ich wohl doch nicht basisdemokratisch genug veranlagt. Ich finde es ganz schön, wenn einer mal eine Entscheidung trifft. Und das muss nicht mal ich sein. 😉

Titelfoto: Lindsay Henwood, Unsplash.com
Gifs: giphy.com
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