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Es war einmal eine Fliege. Die verirrte sich in ein Bauernhaus irgendwo am Mittelmeer. „Hey“, sagte sich die Fliege verblüfft, „das hier muss das Paradies sein: täglich frisch Gekochtes, ab und zu ein Tropfen Wein. Hier bleib ich.“ Sie blieb nicht nur, sondern machte auch noch Werbung (wie Fliegen das halt so machen) und holte ein paar Artgenossen hinzu.

Irgendwann entdeckte die Fliegenbande, dass das Bauernhaus ganz gut gesichert war – gegen Fliegen. An Fenstern und Tür waren Fliegengitter angebracht, gegen die sie immer wieder von innen anflogen, denn dahinter war es hell. Dahinter war die Welt, die sie verlassen hatten.

Langsam, sehr langsam, drang die Erkenntnis in ihre kleinen Fliegenhirne, dass sie wohl kaum je wieder das Sonnenlicht erblicken würden.

„Naja, egal“, trösteten sie sich. „Immerhin sind wir hier im Paradies: täglich frisch Gekochtes, ab und zu ein Tropfen Wein. Dann bleiben wir halt hier.“

Trotzdem saßen die meisten von ihnen den ganzen Tag am Fenster und schauten sehnsüchtig den Insekten im Freien zu: Hummeln, wie sie volltrunken mit Blütensaft durch die Luft torkelten. Fliegen, die glückselig von frischen Pferdeäpfeln naschten. Mückenschwärme, die sich enthusiastisch auf frischgeduschte Urlauber stürzten.

„Das da draußen ist das pralle Leben“, dachten sie heimlich. „Aber hier, hier gibt’s täglich frisch Gekochtes, ab und zu einen Tropfen Wein…“

Und wenn sie nicht tot vom Fliegengitter gefallen sind, dann sitzen sie dort noch heute. 🙂

Titelfoto: Pixabay

 

 

 

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