Schlagwörter

, , , , , ,

„Waaas, Du machst auch mit bei dem Quatsch? Einen Kommentar dazu verkneif ich mir mal…“ Jaha, ich jage Pokémons. Weil ich neugierig bin. Weil ich einen Spieleverlag habe und den größten Spiele-Hype der letzten Jahre nicht einfach ignorieren sollte. (Das ist natürlich eine billige Ausrede: Ich brauch’s beruflich. Genau.)  😛

Der wichtigste Grund: Ich will mitreden können. Ich will nicht erstmal alles ablehnen, was neu ist. Und irgendwann technisch (und auch geistig) stehen bleiben.

Ich kenne genug Menschen, für die das, was für andere einen wichtigen Teil ihrer Welt ausmacht (z. B. Twitter, Facebook, WhatsApp, Periscope, Snapchat), böhmische Dörfer sind. Ich will einfach nicht dumm sterben. In meinen Augen ist es auch eine Frage der Allgemeinbildung, sich neue Welten zu erschließen. Man muss ja nicht alles toll finden, aber alles doof finden ist irgendwie auch… doof.

Und auch wenn Hypes nerven – meistens ist was dran, wenn so viele Leuten auf etwas abfahren.

Deshalb hab ich mir das Spiel gestern Abend heruntergeladen. Direkt in meinem Wohnzimmer sitzt das erste Pokémon. Huch! Clever gemacht, so wird man direkt angefüttert und lernt, wie das geht mit dem Einfangen.

IMG_0765

Gotcha!

Dann wird man aufgefordert, doch mal rauszugehen. Na, das lass ich mir nicht zweimal sagen. Auf geht’s zur Jagd!

Schon auf dem Weg zum Park sind auf der virtuellen Karte die ersten Pokéstops zu sehen – zumindest hier in Berlin sind auch ganz witzige dabei.

Und dann war Agent LucyLu3000 gestern Abend im Park unterwegs. In geheimer Mission. Hahaha! Genial, spannend!

IMG_0779

Agent LucyLu3000 auf der Jagd. Das rosa Zeugs ist Lockstoff, um Monster anzulocken.

Und sooo peinlich! Wie so ein doofes Schaf der Herde von Pokémon-Süchtigen zu folgen, die auch die Pokéstops abklappern. Voll dem Kommerz aufgesessen, die Frau Krüger. Und dem Medienhype.

Moment, da ist ein Ei! Was bedeutet das? Egal, erst mal einsammeln. Hoffentlich sieht keiner, wie ich ständig auf mein iphone starre auf der Suche nach Bällen, Eiern und Monstern.

Aber was ist das? Ein Traumato! Kreisch! (Die Entwickler müssen total dicht gewesen sein, als sie sich die Namen ausgedacht haben.  😛 ) Und da drüben ist noch eins – ach nee, das ist nur ein kleiner Junge mit großem gelben Ball. Hihi, wenn der wüsste, dass ich ihn eben einfangen wollte.

IMG_0778

Übrigens: Auch bevor es das Spiel gab, fiel mir bei Abendspaziergängen auf, dass mindestens jeder zweite auf sein Handy starrte oder telefonierte.

Rundherum sehe ich Spaziergänger, die mehr oder weniger unauffällig die Umgebung abscannen. Und ein paar Effizienzjunkies, die ihre Strecken auf dem Fahrrad oder Skateboard abmetern. Denn es kommt auch auf die zurückgelegten KIlometer an. (Man könnte meinen, PokémonGo sei von einer Krankenkasse erfunden worden…)

Moment mal, da hat jemand Lockstoff gestreut, um Monster anzulocken. Nix wie hin! 🙂

Oh mein Gott, was für ein Spaß! PokémonGo drückt viele Knöpfe bei einer Spielernatur: Abenteuerlust, Sammelleidenschaft, Entdeckerfreude, Jagdinstinkt, Kampfgeist. Es ist – soweit ich das bislang beurteilen kann – harmlos und lustig. Auch, weil man immer wieder über sich selbst und die anderen Spieler lachen muss.

Das Spiel baut eine Brücke zwischen der echten und der virtuellen Welt. Und klar, es ist auch ein Mindfuck. Siehe die Sache mit dem kleinen gelben Poké-, äh, diesem Jungen. Man ist halt mit dem halben Kopf in der virtuellen Welt. Aber das ist jemand, der auf der Straße telefoniert, auch. (Ich komme gerade aus Italien, Leute!)  🙂

Und das hier ist erst der Anfang. Ich hätte da direkt ein paar coole Ideen, was man noch so machen könnte. Denn eigentlich stehe ich nicht auf quietschbunte Monster. So ein virtueller Hund zum Gassigehen hingegen… Just give me a call, Niantic!

Ganz ehrlich: Ich würde das Spiel gern in vollen Zügen genießen, ohne mich dafür schämen zu müssen. Oder gar rechtfertigen. Es ist ein Spiel, Leute. Nicht der Untergang des Abendlandes.

Und wer zur Hölle bestimmt eigentlich, was cool ist und was nicht? Fleisch essen, Whitney Houston gut finden oder gar die Kanzlerin, bei einer Bank arbeiten, Pokémons jagen – damit ist man schon den verächtlichen Urteilen seiner Umgebung ausgesetzt. Ernsthaft jetzt? Was ist mit Toleranz, Offenheit für Neues und so?

Ich sag Euch jetzt mal was: PokémonGo ist geil. Ihr verpasst was, wenn Ihr es nicht wenigstens mal ausprobiert habt. Und wenn es Euch nicht interessiert, dann lasst den anderen ihren Spaß.

So wie mein Nachbar, dem ich gestern abend eine WhatsApp schickte:

IMG_0780

Keine Ahnung, ob er wusste, worauf er sich einließ. Aber ich fand’s cool.  🙂

 

PS: Was hat das jetzt mit meinem Blogthema Arbeit zu tun? Dreh Dich mal auf Deinem Bürostuhl, hinter Dir sitzt ein Pokémon! 😀

Fotos und Screenshots: Lydia Krüger
Advertisements