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Bitte, was?! Ja, Einarbeitung. Kennt man ja kaum in Deutschland. Ist mir aber letztens (wohlgemerkt als Freelancer) wieder passiert. Bei einem Auftraggeber aus den USA, der mir die Nutzung einer Software beibrachte. Das lief alles sehr gut organisiert und schnell, freundlich und wohlgemerkt auf deren Kosten.

Ich habe es mehrmals bei der Zusammenarbeit mit US-Amerikanern erlebt (auch an der Uni in den USA), dass man sehr genau eingewiesen wurde. Fast schon überorganisiert für meine Begriffe.

Ich brauch ja gar nicht so viel Struktur, finde schon alles selbst raus und gebe dem Zufall gern ein bisschen Raum. I ike to wing it – aber OK. Erstaunlicherweise fand sogar ich es beruhigend, ein paar klare Ansagen zu bekommen.

„Hier sind die blauen Zettel, die füllt Ihr bitte jetzt aus. Und das hier sind die gelben, die braucht Ihr erst morgen. Und die grünen hier, das sind die Feedback-Bögen, die liegen am letzten Tag in den Break-out-Rooms für Euch bereit…“ 😀 So lief das vor den Vorlesungen.

In Deutschland hab ich das fast nie erlebt. Da wurde einem die Arbeit hingeschmissen: „Mach mal. Und wenn Du Fragen hast… finde die Antworten am besten selbst heraus.“

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Glück gehabt! (Foto: Photofunia)

Wenn wir z. B. bei einem meiner Ex-Arbeitgeber eine neue Software einführten, wurde immer davon ausgegangen, dass die selbsterklärend ist. Flächendeckende Schulungen wären zu teuer und aufwändig gewesen. Das Kaskadenprinzip (wir schulen ein paar Leute, die dann wiederum andere schulen) war ein Mittelweg, hat aber nicht wirklich funktioniert.

Hm, was es wohl gekostet hat, dass die Mehrheit der User nur einen Bruchteil der Funktionalitäten kannte und nutzte? Oder wild herumsuchte, bei uns oder der IT anrief oder die zwei Kollegen aus dem Nachbarbüro damit beschäftigte?

Jemand Neuem einfach ein Software-Handbuch oder die „Bibel“ des Unternehmens hinzuwerfen, zählt übrigens nicht. Das ist nice to have zum Nachschlagen, ersetzt aber nicht die persönliche Unterweisung.

Zurück zu den Amis. Auch diesmal war ich überrascht, was für einen positiven Effekt die Einarbeitung auf mich hatte. (Wie gesagt trotz meiner Danke-ich-find-mich-schon-allein-zurecht-Disposition.)

  • Erst mal ist eine Einarbeitung einfach effizient: Man kann vorab Fragen klären und vermeidet langes Herumprobieren oder teure Fehler.
  • Dann verleiht sie Sicherheit im Tun. In Zeiten, in denen einem immer mehr Sicherheit abhanden kommt, ist das ein echter Schatz.
  • Es ist eine unglaubliche Wertschätzung, dass sich jemand die Zeit nimmt und die Mühe macht, einem etwas beizubringen.
  • Und es ist eine Investition in die Zukunft – das Unternehmen setzt ein solides Fundament, auf das es später aufbauen kann.

Und ja, es ist ein qualitativer Unterschied, ob ich mich selber irgendwie in etwas eingefummelt habe oder ob ich es von der Pike auf gelernt habe.

Ich fummel mich gern ein, aber trotzdem. Auf einem energetischen Level hab ich gemerkt, wie stark es mich motiviert, eine gründliche Schulung zu bekommen. Das wird unterschätzt.

Einen Haken hat das Ganze allerdings: Die Einarbeiter selbst sollten wissen, was sie tun. Und einigermaßen gut organisiert sein. Alles andere fällt auf. 😉

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