Schlagwörter

, , , ,

Wir Deutschen sind ja jetzt nicht gerade Weltmeister im Fluchen. Der Berliner versucht es mit Armleuchter, Knallkopp, Flitzpiepe (oder in Neukölln: Hurensohn und Hässlischkeit), aber gegen den omnipräsenten cazzo der Italiener oder das gepflegte fucketyfuck im Englischen sind wir doch wirklich harmlos.

Denn unser Universalschimpfwort heißt Scheiße. Deshalb macht es ja auch keinen Spaß, Pulp Fiction auf Deutsch zu gucken. Aus „Shut the fuck up!“ wird dann „Halt deine Scheißfresse.“ Bitte? Wer redet denn so?

(Später wurde dann das „verfickt“ erfunden. Aber ganz ehrlich, was soll das denn sein? Klingt eher wie ein Ausrutscher: „Oh, pardon, ich glaube, ich hab mich verfickt.“)

Erschwert wird die korrekte Übersetzung dadurch, dass die Anglophonen ja auch noch ihren eigenen shit haben. „This is some fucked-up shit“ wird dann im Deutschen zu „Das ist ein Scheißscheiß.“ Oder so.

Pulp fiction guy - Say this shit again I dare you, I double dare you

Bild: memegenerator.net

Spätestens an dieser Stelle fragt Ihr Euch: „Was ist eigentlich mit Büronymus los, verdammte Scheiße?“ 😀  Ich sag’s Euch.

Aufgrund der in meiner auf sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Einleitung dargelegten Fakten zur deutschen Vorliebe fürs Fäkale war ich nämlich Zeit meines Lebens der Annahme, dass ein „Scheißtag“ eben einfach nur ein beschissener Tag ist. A shitty day, una giornata di merda.

Um dann auf Twitter unverhofft eines Besseren belehrt zu werden:

Wikipedia weiß es ganz genau:

Scheißtag

Als Scheißtage wurden in Süddeutschland und Österreich unter Knechten und Dienstboten die zusätzlichen ein bis drei unbezahlten Arbeitstage bezeichnet, die die von ihnen beanspruchte Zeit für die Verrichtung des Stuhlgangs während der vereinbarten Anstellung ausgleichen sollten.

Diese Praxis gab es im 18. und 19. Jahrhundert, vereinzelt sogar bis in das frühe 20. Jahrhundert. Die „Scheißtage“ wurden nach Ablauf des Dienstvertrages, meist nach Lichtmess, oder am Ende eines jeden Jahres am 29. Dezember geleistet.

Heutzutage wird der Begriff „Scheißtag“ vulgär-umgangssprachlich für einen schlechten Tag verwendet.

Heilige Scheiße! Kannste Dir nicht ausdenken. 😀 Die Scheißtage waren natürlich nicht besonders beliebt – wer arbeitet schon gern für umme.

Man stelle sich vor, noch heute bekäme jeder am Jahresende eine Abrechnung der Klozeiten. Ich wäre fein raus, denn ich verbringe immer möglichst wenig Zeit auf dem Lokus. Andererseits heißt es ja, man soll mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken – und dann rennt man eben öfter.

Naja, gottseidank sind diese Zeiten vorbei.

Obwohl… Ich erinnere mich gerade an ein Unternehmen, in dem eine irregeleitete Führungskraft tatsächlich die Toilettengänge der Mitarbeiter mit der Stoppuhr beaufsichtigt hatte. (Dieser Person setzte ich später ein Denkmal als „Stasi“ in meinem Kollegen-Quartettspiel „Kampf der Abteilungen“.)

c3-pia-po%cc%88se

Natürlich ist es nicht rechtens, Mitarbeiter auf dem Klo auszuspionieren! Oder?! Wie so oft lautet die Antwort der Juristen: „Kommt drauf an.“

Der Gang zur Toilette gilt grundsätzlich als Arbeitszeit, allerdings müssen sich die Toilettenzeiten im normalen Rahmen bewegen. Und was normal ist, wird individuell entschieden. Bei Krankheit darf es schon mal länger dauern. Von Zäpfchen auf Kosten des Arbeitgebers hab ich jedenfalls noch nichts gehört. 😛

Überhaupt wird dem Persönlichkeitsrecht des Klogängers ein hoher Stellenwert eingeräumt. Videoaufnahmen aus dem stillen Örtchen sind z. B. nicht erlaubt. (Wär ja auch noch schöner.) Einen Missbrauch der Toilettenzeiten muss der Arbeitgeber detailliert nachweisen, was aber angesichts der rechtlichen Einschränkungen schwer werden dürfte.

Vor allem: Was soll das denn sein, ein Missbrauch der Toilettenzeiten? Zeitung lesen auf dem Klo? Mails checken? Und wenn das berufliche Mails sind? Zählt ein Nervenzusammenbruch in der Kabine? Oder eine kurze Meditation? Irgendwo muss man ja wieder zu sich kommen nach, ähm, seltsamen Erlebnissen.

Scheiße Mann, was bin ich mal wieder froh, selbstständig zu sein. Freiheit auch auf dem Klo! Andererseits: Immerhin werden Angestellte für diese unproduktive Zeit bezahlt. Wobei – „unproduktiv“ ist ja wohl das falsche Wort. 😛

An dieser Stelle habe ich endlich Gelegenheit, Euch mein Lieblings-GIF aller Zeiten vorzustellen. Und zwar thematisch 1A passend!

fkikieia6aasg

(In meiner Begeisterung habe ich den Text sogar vertont, aber das erspar ich Euch lieber.)

Also, vielleicht verdeutlicht Ihr Euch das, liebe Angestellten, wenn Ihr mal wieder auf dem Büroklo hockt: Ihr kriegt Geld dafür. Gute Laune! 🙂

Und Scheißtage sind längst abgeschafft.

Bitte folgen Sie mir unauffällig! Auf Twitter und Facebook.

Titelfoto: Unsplash.com, Gabor Monori

 

Advertisements