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Der Salon war in rosa und lila gehalten, der Boden ein Laminat von der Sorte, die ich mir nicht aussuchen würde. „Bitte warten Sie“, sagte die Friseurin und blickte kaum auf, während sie einer anderen Kundin die Haare wusch. Am Telefon hatte sie jünger geklungen.

Ich saß eine Weile herum, meine Augen suchten den schmucklosen, aber ordentlichen Raum nach etwas Schönem ab.

War es wirklich so eine gute Idee gewesen, hierherzukommen – in diesen Laden mit dem englischen Namen, der vielleicht in den 80ern originell gewesen wäre. In dieses Viertel der Stadt, die man durch ein Tor betrat wie eine eigene, sich selbst genügende Welt. An diesem schwülen Tag. Mit Kopfschmerzen.

„Kaffee oder Wasser?“

„Wasser, danke.“

Ich hörte, wie um die Ecke der Wasserhahn lief. Sie stellte mir ein nasses Glas Leitungswasser hin.

„Also, was machen wir?“

„Klassischer Bob. Und bitte vorne nichts abschneiden.“

„Nein, natürlich nicht.“

Mit groben Handgriffen zog sie an meinen Haaren und begann zu schneiden, dazu die Kopfschmerzen. Ich hätte den Termin absagen sollen.

Ihre Schnitte waren schnell und ungewohnt. Das war nicht die Technik, die ich kannte. Aber sie wusste, was sie tat. Wie viele Menschen sie wohl schon frisiert hatte? Was erfährt man über jemanden, wenn man dessen Kopf in den Händen hält?

Ob sie ihren Job mochte? Sie machte nicht den Eindruck. Wollte sie Friseurin werden oder war es eine Notlösung? Warum gerade hier, in diesem pinken Raum mit dem Charme eines Wartezimmers? War das ihr Laden? Warum war sie allein hier? Ein Haufen ungefragter Fragen dröhnte in meinem Kopf. Ich würde ihr ganz bestimmt kein Gespräch aufdrängen. Ich war doch nur der Haare wegen hier.

Keine halbe Stunde später war ich fertig. Der Schnitt war perfekt.

„Föhnen?“

„Nee, lassen Se ma. Ist so heiß heute.“

An der Kasse nannte sie einen lächerlich geringen Preis. So was gibt’s noch? Kein Cappuccino, keine Handmassage, kein „Ich kann Ihnen da eine super Pflege empfehlen.“ Einfach nur Haare schneiden.

„Wie war Ihr Name?“, fragte ich.

„Fatma-Dienstag-hab-ich-immer-frei“, sagte sie und kurz sah es aus, als wollte sie lächeln.

 

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Foto: George Bohunicky, Unsplash
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