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Hier kommt die zweite Geschichte von meiner Asienreise. Eines meiner großen Highlights sind die Massagen, die man für 5-6 Euro pro Stunde (!) an jeder Straßenecke bekommt. Mit der Masseurin kann man allerdings Glück oder Pech haben.

„Hach, heute gönne ich mir wieder eine schöne Fußmassage“, denke ich mir. Die gestrige war der Hammer – und so, wie wir Menschen gestrickt sind, wollen wir schöne Erlebnisse gern wiederholen. Aber verdammt, ich finde den tollen Salon nicht mehr.

Während ich durch Bangkoks Touristenviertel Banglamphu laufe, fällt mir auf, dass bedeutend weniger Touris unterwegs sind als am Vortag. Die Feiertagssaison scheint vorbei zu sein. Vor den Massagesalons sitzen die Angestellten und warten auf Kundschaft.

Beim dritten oder vierten Salon gebe ich auf. Was soll’s, Massage ist Massage – obwohl ich es natürlich besser weiß. Jede Massage ist anders. Wie in jedem Job gibt es Leute, die einfach ihr Programm runterspulen. Dann gibt es die, die überhaupt nicht wissen, was sie tun. Und diejenigen, die virtuos genau die richtigen Knöpfe drücken, so wie die Masseurin von gestern.

Wider besseren Wissens gehe ich also in den nächstbesten kleinen Salon. Er ist leer. Nur zwei Frauen arbeiten da, eine sieht blass aus. Natürlich soll ausgerechnet die mich massieren. Wie zur Bestätigung setzt sie einen Mundschutz auf. Na, Bingo! Sie ist erkältet. Und wie. Sie hustet und schnieft in das Stück Vlies, während ihre Hände meine Beine bearbeiten.

Ich überlege kurz, ob ich wieder gehe. Aber das wäre auch gemein. Ich bin die einzige Kundin. Ist ja schon schlimm genug, arbeiten zu müssen, wenn man krank ist. Die Chefin bietet mir ein Stück Mango an. Na gut, doch ganz nett hier.

Was die beiden nicht wissen: Ich bin ihre Glückskundin, ihr lucky customer. Die Chinesen glauben, dass der erste Kunde Glück bringt und unbedingt etwas kaufen muss, damit es ein guter Tag wird. Ich bin eine hervorragende erste Kundin. Ich bringe immer gutes Business. 🙂 Kaum habe ich es mir im Liegestuhl gemütlich gemacht, kommen drei weitere Kunden herein. Dabei sind die Masseurinnen nur zu zweit.

Wie so oft finden die Thais ohne viel Aufhebens eine Lösung: Sie holen Verstärkung aus den Nachbarsalons. Später kommen sogar noch drei weitere Kunden – die müssen weggeschickt werden. Ich als Kundenmagnet sprenge jede Kapazität. 😀 (Habe mal überlegt, mich als Glückskundin mieten zu lassen. Setze mich dann im Café auf den Fensterplatz und hello… Aber die Deutschen glauben nicht an sowas.)

Eine der von nebenan ausgeliehenen Kolleginnen trägt ebenfalls einen Mundschutz. Irgendwas scheint umzugehen. Immerhin ist man hierzulande so rücksichtsvoll, andere vor Husten- und Niesattacken zu schützen. Überall sieht man Asiaten im OP-Look. Ich wünschte, das würde sich in Deutschland durchsetzen.

So ein Nieser schleudert ja das Geseuch (Fachausdruck für Viren und Bakterien) bis zu 10 Meter weit. Ich weiß das, weil ich mal ein Exposé für einen Animationsfilm über das Niesen geschrieben habe. Der Kunde, ein Nasenspray-Hersteller, hat es sich dann anders überliegt. Zu unappetitlich, das Ganze.

In Deutschland habe ich es nicht mal geschafft, meine Kollegen davon zu überzeugen, dass Händeschütteln während der Grippesaison keine gute Idee ist. 🙄 Und die netten Mitmenschen, die einen herzlich umarmen, um einem dann mitzuteilen, dass sie gerade tierisch erkältet sind… So etwas wäre hier undenkbar. Lieber trägt man bei 33 Grad eine Vliesmaske, durch die es sich nicht nur schwerer atmet, sondern auch schwerer spricht. Rücksicht ist Teil der Kultur.

Ich spüre, wie sich die heißen Finger der Masseurin in meine Wade graben. Ja, heiß! Sie hat Fieber! Das wird ja immer besser. Kann ja von Malaria bis Denguefieber alles sein. Aber ist beides nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Schön, wozu mein Halbwissen alles so taugt. Sie wischt sich den Schweiß von der Stirn und fragt, ob sie den Ventilator anmachen kann. Das fehlte mir noch! Diese Virenschleuder! Dann sind wir am Ende beide krank.

Wieder die fiebrigen Finger. Die Frau tut mir leid. Sollte eigentlich im Bett sein. Und überhaupt, was stelle ich mich so an. So ein tropisches Fieber kann einen halt mal erwischen. Hatte ich auch schon mal, war harmlos. „Du wirrrst nicht sterrrben“, wie ein russischer Freund immer gesagt hat.

Andererseits habe ich mich in Thailand auch schon mal mit Windpocken angesteckt. Das ist gar nicht so lustig bei Erwachsenen. Mein Blick sucht die Arme der Masseurin nach komischen Flecken ab. Alles unauffällig, Gottseidank.

Die Masseurin ist nicht so gut wie die von gestern. Aber sie ist ja auch krank – und dafür hat sie ganz schön Schmackes. Zieht das Ding hier durch wie eine echte Preußin. Wenn die fiebrigen Hände nicht wären, würde man gar nicht merken, dass sie krank … Autsch! Sie tut mir weh und grinst dabei. Vielleicht kann sie Gedanken lesen. Oder Füße.

Ich hab selbst mal einen Fußmassagekurs gemacht und im Zuge dessen hatte ich verschiedene Füße in der Hand. Man erfährt viel über einen Menschen, wenn man dessen Füße knetet. Manche sind unerwartet zart, andere total schmerzfrei. Also, die Füße und die Menschen. Vielleicht weiß sie also mehr über mich. Ich weiß nur, dass sie krank ist. Und trotzdem zur Arbeit erschien.

Zurück im Hotel wasche ich meine Füße. Man weiß ja nie.

PS: Am liebsten hätte ich die Masseurin selbst gefragt: Wie es ihr geht? Warum sie zur Arbeit gekommen ist? Ob sie eine Krankenversicherung hat? Aber wie so oft konnte die Masseurin leider kein Englisch – und mein Thai beschränkt sich auf ein paar wenige Worte.

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Foto: Pixabay

 

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